Bierdiarium

Ein Blog über Bier. Denn Bier birgt Erzählstoff!

Bier beim Sport – ein Test!

geposted am: 31 März 2017 von Lothar bisher keine Kommentare

Dass Bier Kraft gibt hat man vermutlich lange geglaubt und in einigen entlegenen Regionen denkt man das vermutlich noch immer. Bestenfalls macht Bier stark im Sinne von gwampert, weil es den Appetit anregen kann. Sicher, die gefühlte Kraft kann tatsächlich nach der ersten Halben deutlich gesteigert sein. Man fühlt sich gut, ist wohlig enthemmt und neigt zu ersten Fehleinschätzungen. Das kennt eigentlich jeder, der nicht nur alkoholfreies Bier trinkt. Dass Bier, also „richtiges“, keine Kraft gibt, sondern eher schwächt, das habe ich vor vielen Jahren so richtig begriffen. Ich war damals mit meinem Freund Max unterwegs von Würzburg nach Kassel. Zur Dokumenta. Das machen wir immer wenn sie stattfindet, also alle fünf Jahre. Mit dem Rad. Eine Strecke, die in drei Tagen problemlos machbar ist. Solange man sich nicht im Spessart verfährt. So kam es, dass wir ungewollt viele Höhenmeter angesammelt hatten und nahezu dehydriert waren. Es war keine Getränkequelle in Sicht, nicht mal dieses „Wirtshaus im Spessart“. In einem kleinen Ort stießen wir dann schließlich auf ein Dorffest mit Grill und Bierschankwagen. Weil uns das goldene Getränk so anlachte, haben wir gleich mal einen Krug gelehrt und wurden mit einem schlagartigen Anstieg unserer Laune belohnt. Hoch motiviert stiegen wir wieder auf die bepackten Drahtesel. Doch: Ich konnte es kaum fassen, ich war so unglaublich schwach. Das Bier hatte sich wie Blei in den Beinen festgesetzt. Ich hatte das Gefühl, als ob ich mit Elefantenfüßen pedalieren müsste. Völlig schwach, mit einem Rest wohliger Enthemmung strampelten wir der untergehenden Sonne entgegen, um dann schließlich unser Zelt aufzuschlagen und die Elefantenfüße im Schlafsack unterzubringen.
 
Als ich kürzlich das Squeezy Energy Gel Bier entdeckt habe, fühlte ich mich an dieses Erlebnis im Spessart erinnert. Wobei das Bier-Gel mit Bier tatsächlich so gut wie nichts gemeinsam hat. Bier sucht man auf der Zutatenliste vergeblich: Maltodextrin, Wasser, Fruktose, Säuerungsmittel: Zitronensäure; Konservierungsstoff: Kaliumsorbat; Aroma, Natriumcitrat, Kochsalz, Kaliumcitrat, Antioxidationsmittel: Ascorbinsäure.
 

 
Gestern habe ich das Squeezy Energy Gel Bier auf einem kleinen Rennradausfahrt gleich mal probiert. Ich muss sagen, so schlecht hat es gar nicht geschmeckt. Wer solche Gels kennt, weiß wie übel diese sein könne: Von Vanille bis Zahnpastageschmack ist alles drin. Das Biergel war überraschend schmackhaft. Also im Vergleich! Es war relativ herb und durch den vielen Zucker gleichzeitig süß. Ein bisschen wie ein Dunkles Radler. Aber kein Vergleich zu echtem Bier: Die Elefantenfüße blieben völlig aus.
 

Endspiel, Barleywine von Lehe / St. Erhard

geposted am: 12 Januar 2017 von Lothar bisher keine Kommentare

Brauerei: Lehe
Land: Estland
 
lehe-bier-endspiel-st-erhard
 

Prolog:

In der estnischen Brauerei Lehe ist in Zusammenarbeit mit St. Erhard aus Bamberg ein sehr starkes Ale entstanden. Das Bier mit dem Namen „Endspiel“ hat satte 9,5 vol. % Alkohol und erinnert daher auch in der englischen Bezeichnung (Barleywine) an Wein.
  

Verkostung:

Die Verpackung und Name scheinen mir vielversprechend, gerne gieße ich das Bier vorsichtig in mein Glas. Das tue ich viel bedachter als sonst, ich behandle es schon beim Einschenken wie Wein – denke ich mir. Wo das wohl hinführt? Das kupferbronzefarbene Bier sieht wärmend aus. Eine schöne Farbe. Der cremfarbene Schaum ist scheu und sogleich weg. Ich habe kaum Zeit ein Foto zu machen. Das überrascht mich etwas, denn ich hatte eher einen festen standhaften Schaum erwartet. Es zeigt einen ruhigen und entspannten Körper und lässt mich an das Ungespundete von Mahr’s denken. Das Geruchsbild ist malzig mit solider Karamell-Note. Im Antrunk ist es durchaus süßlich, im Mitteltrunk erinnert es an Whiskey. Es ist sehr kräftig, würzig mit feinherbem Ausklang.
  

Gut für:

Das Bier ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts für den Fernsehabend. Das heißt, auch wenn es „Endspiel“ heißt, ist es weder für die EM noch für die WM tauglich. Ich denke, es ist Bier für ein Tasting: Ein Biertasting, bei dem man (mehr …)

Alkoholfreie Biere im Test / Teil 6: Hacker-Pschorr Münchner Helles

geposted am: 22 September 2016 von Lothar 2 Kommentare

Da Somma is boid um. Seid a bo Dog is d Wiesn in Minga. Do hoggd ma si gern amoi zamm und dringt a Münchner Hells oder aa a alkoholfreis Münchner Hells.
 
Bierflasche Hacker Pschorr alkoholfrei
 
I hob ma oans vo Hacker-Pschorr ghoid. Es kimmt aus ana doch recht oidn Bierquelle – de gibt’s seit 1417. Heid is de GmbH mit Paulaner vaheirat und gherd zur Brau Holding International AG. Naja und de Holing is a Ziagdochda vo da Schörghuaba Unternehmensgruppn und vom Biergigant Heineken. De Flaschn vom Helln mit klassischm Bügl gfoid ma guad. As Etikett kimmt aber scho a wengal oidbacha daher.
 

Schau ma moi wos drin is:

 
As „normale“ Hacker-Pschorr hod an kernign, voimundign Gschmack. Es schmeckt wia reifs Droad und is scho wos andas ois wia andre wassrige Helle. Ko a Alkoholfreis do midhoidn? I daad song as Aroma is freilich bierig. Da Gschmack is fest moizig und guad siaß. Es lafft dennaschd guad. Da gscheide Gschmack geht aber ob.
 
hacker-pschorr-alkoholfrei-biertest
 

Bisher in der Serie „Alkoholfreie Biere im Test“ ist erschienen:

 

1. Biertest: Neumarkter Lammsbräu Dunkel alkoholfrei

2. Biertest: Diebels Altbier alkoholfrei

3. Biertest: Budweiser Budvar B:Free

4. Biertest: Le Chauffeur Brauhaus Nittenau

5. Biertest: Gaffel Frei Kölsch

 

Alkoholfreie Biere im Test / Teil 5: Gaffel Frei Kölsch

geposted am: 2 August 2016 von Lothar bisher keine Kommentare

Natürlich gibt es auch die blanke, schlanke obergärige Spezialität aus Köln in einer alkoholfreien Version. Das Kölsch! Im Biertest habe ich eines aus der Privatbrauerei Gaffel.
 
Es kommt recht chic verpackt in einer transparenten Flasche daher:

 
Gaffel-Koelsch-Bierblog-Test
 

Der erste Moment – als sich das Bier im Glas gerade entfaltet – lässt mich an eine Kornkammer denken, ja, das Bier leuchtet gold-blank und duftet nach frisch eingefahrener Sommergerste. Hochsommer in der Flasche, denke ich fast schon euphorisch. Das Kölsch beginnt also sehr gut, flaut dann aber etwas ab: Im Geschmack ist es leicht malzig, etwas brotig, mit erdiger Note. Es ist klassisch feinherb und zum Ende hin sehr leicht.
 
Koelsch-alkoholfrei-test
  

Bisher in der Serie „Alkoholfreie Biere im Test“ ist erschienen:

 

1. Biertest: Neumarkter Lammsbräu Dunkel alkoholfrei

2. Biertest: Diebels Altbier alkoholfrei

3. Biertest: Budweiser Budvar B:Free

4. Biertest: Le Chauffeur Brauhaus Nittenau

 

Alkoholfreie Biere im Test / Teil 4: Le Chauffeur Brauhaus Nittenau

geposted am: 28 Juli 2016 von Lothar bisher keine Kommentare

Aus Nittenau, einer echten Kleinstadt in der Oberpfalz kommt ein sehr interessantes alkoholfreies Bier. Ein Bier ohne Umdrehungen mit einem sehr passenden Namen: Le Chauffeur. Bei diesem alkoholfreien Idian Pale Ale kommen die Hopfensorten Simcoe und Mosaik zum Einsatz und wecken fruchtige Erwartungen.

 

Le_Chauffeur_Nittenau_Bier_Test_IPA_alkoholfrei

 
Kaum im Glas, vertrömt das Bier schon einen kräftigen Duft nach Mandarine! Sehr fruchtig-tropisch ist es auch im Geschmacksbild, zudem ist das Bier angenehm feinherb und hat einen ausgesprochen ausgewogen malzigen Körper. Das naturtrübe IPA kann mit seinen trendigen alkohlisierten Craft-Kollegen geschmacklich absolut mithalten! Beide Daumen hoch, ein echt schmackhaftes alkoholfreies Bier!
 
Le-Chauffeur--alkoholfrei-Test-m

Bisher in der Serie „Alkoholfreie Biere im Test“ ist erschienen:

 

1. Biertest: Neumarkter Lammsbräu Dunkel alkoholfrei

2. Biertest: Diebels Altbier alkoholfrei

3. Biertest: Budweiser Budvar B:Free

 

Die Bierdose: ökologisch und gut für’s Bier?

geposted am: 19 Juli 2016 von Lothar 2 Kommentare

Kürzlich habe ich eine Bierdose der Stone Brewing Brauerei Berlin in der Hand gehalten und Folgendes auf der Dose gelesen:

 
„DOSEN SIND BESSER. KEINE FRAGE. Dosen sind endlos recyclebar, umweltverträglicher und besser fürs Bier“.
 
Dosenbier-Nachteile-Sauerstoffeintrag
 
Stone Brewing ist eine amerikanische Großbrauerei, die kürzlich in Berlin eine Niederlassung gegründet hat. Diese Brauerei behauptet, Bier aus Dosen sei generell besser. Besser als was? Besser als Fassbier? Besser als Bier aus Plastikflaschen, besser als Bier aus Glasflaschen?
 
Im Magazin „Craft“ sagte der Chef des Unternehmens im Frühjahr dieses Jahres folgendes:
 

„Ich entscheide nur nach Fakten, nicht nach Meinungen, und Tatsache ist, dass es kein besseres Behältnis als die Dose gibt, um Bier frisch zu halten. Außerdem sind die Transportkosten unschlagbar, da Dosen viel leichter als Glas sind und weniger Platz benötigen. Und was die vermeintliche Umweltschädlichkeit anbelangt: Metall lässt sich unendlich recyceln. Aus Qualitätsgesichtspunkten gibt es also keine bessere Möglichkeit als die Dose.“

 
Okay, er meint also besser als Bier in Glasflaschen, bzw. Mehrwegglasflaschen.
 
 

Ist die Dose wirklich besser für das Produkt Bier, also aus reinen Qualitätsgründen?

 
Die Bierdose hat auf der Habenseite einen Vorteil, den Glas so nicht bietet: Eine Bierdose ist nämlich immer 100% blickdicht. Oder sagen wir noch blickdichter als eine dunkle Flasche oder eine die einen Lichtschutzfaktor hat. Aber diesen Vorteil, besser gegen Lichtgeschmack geschützt zu sein, könnte eine Dose nur ausspielen, wenn man sie am Äquator in der prallen Sonne lagern würde. Bier wird stattdessen bekanntlich eher durchgehend kühl und dunkel aufbewahrt. Das war es aber dann schon mit den reinen Qualitätsvorteilen im Bezug auf den Inhalt. Dosenbier hat denke ich eher Nachteile:
 
1. Dosenbier wird klassischerweise vor oder nach dem Abfüllen behandelt. In der Regel wird es nach dem Abfüllen bei ca. 65–75 °C pasteurisiert. Das heißt, die Dose wird dabei erwärmt. Nachteil: Beim Pasteurisieren ist von Qualitätseinbußen auszugehen. Das kann sich auch auf den Geschmack auswirken.
 
2. Dosen, egal ob aus Weißblech oder Aluminium, müssen vor Korrosion geschützt werden. Denn sonst lösen sich Metalle und werden auf den Füllinhalt übertragen. Verfärbungen und geschmackliche Beeinträchtigungen wären die Folge. Daher wird die Innenseite der Dose versiegelt. In der Regel kommt hier ein Kunststoff zum Einsatz der Weichmacher wie BPA enthält. Genau solche Stoffe können in das Bier übertragen werden. Es gibt auch BPA-freie Beschichtungssysteme, allerdings sind diese laut Verbraucherzentrale in der Regel noch nicht im Einsatz. Nachteil im Vergleich zu Flaschenbier: Bier in einer Verpackung die Weichmacher enthält ist fragwürdig.
 
3. Der Verschluss von Getränkedosen ist Umwelteinflüssen ausgesetzt. Anders, als bei einem Schraub-, Bügel-, oder Kornkorkenverschluss können sich hier Schmutz oder Keime ansammeln. Diese würden beim Einschenken mit ins Bier wandern. Nachteil im Vergleich zu Flaschenbier: Die Sauberkeit des Verschlusses steht in Abhängigkeit von den Transport- und Lagerbedingungen.
 
4. Die Qualität, besonders aber die Haltbarkeit von Bier wird auch von enthaltenem Restsauerstoff bestimmt. Dieser Reststauerstoff kommt nach dem Abfüllen sowohl in der Flüssigkeit als auch im Kopfraum des Behältnisses vor. Bei der Abfüllung wird darauf geachtet, dass der Sauerstoffeintrag möglichst gering ist. Dosen haben bei der Abfüllung genau an dieser Stelle einen Nachteil: Während des Befüllvorgangs, also bevor der Deckel der Dose eingepresst wird, ist die Oberfläche des Bieres deutlich größer als bei einer Flasche. Bei einer Dose sind das mehr als 5 cm im Durchmesser, bei eine Flasche weniger als 2 cm. Bei der industriellen (mehr …)

Alkoholfreie Biere im Test / Teil 3: Budweiser Budvar B:Free

geposted am: 28 Juni 2016 von Lothar bisher keine Kommentare

Auch aus dem Hause des tschechischen Budweiser Budvar gibt es ein alkoholfreies Bier. Leider habe ich es nur in einer Dose organisieren können. Das geht eigentlich gar nicht! Aber weil es nicht anders ging, trinke ich eben mal Bier, das vorher in einer Dose war.

 
Budweiser-B-free-Test-alkoholfrei-Bier
 

Das Bier hat eine schöne goldene Farbe. Im Aroma ist es spätsommrig-getreidig. Aber auch recht würzig. Das Budweiser Budvar B:Free hat ein angenehmes Mundgefühl, gute Renzenz, dann etwas süßlich – wie sein alkoholhaltiger Bruder auch. Im Nachgang kommt eine dezente Hopfennote zum Ausdruck.

 
Budweiser-Budvar-B-Free-Test

Alkoholfreie Biere im Test / Teil 2: Diebels Altbier alkoholfrei

geposted am: 20 Juni 2016 von Lothar 1 Kommentar

Der zweite Kandidat im großen alkoholfreien Biertest kommt aus der Region Niederrhein aus dem Hause Diebels. Die Geschicke der ehemaligen Familienbrauerei werden seit vielen Jahren von dem allseits bekannten Biergiganten Anheuser-Busch InBev gelenkt.

Die große Frage ist, wie schmeckt die alkoholfreie Variante des Altbiers von Diebels?

 

Diebels-alkoholfrei-Biertest

 

Das Schaumbild ist appetitlich, leicht cremig mit mittelmäßiger Standhaftigkeit. Die Farbgebung glänzt in bester Kastanie. Im Aroma ist es brotig und erinnert etwas an Sauerteig. Der Antrunk des alkoholfreien Diebels ist zunächst durchaus vollmundig. Es flaut aber dann ab und wird leichter als zunächst angekündigt. Es findet sich auch hier die brotige Note mit leichten Anklängen von Malz. Im Nachgang ist es klassisch feinherb.

 

Biertest-Diebels-alkoholfrei

 

Bisher in der Serie „Alkoholfreie Biere im Test“ ist erschienen:

 

1. Biertest: Neumarkter Lammsbräu Dunkel alkoholfrei

 

 

Der große Geschmackstest: alkoholfreie Biere im Test / Teil 1: Startup mit Neumartker Lammsbräu Dunkel alkoholfrei

geposted am: 9 Juni 2016 von Lothar 6 Kommentare

Das Bierdiarium trinkt sich diesen Sommer durch den alkoholfreien Biermarkt. Welche Sorten überzeugen und welche weniger, das wird sich im Lauf dieser Bier-Testreihe zeigen.
 
Zunächst muss ich sagen, wenn ich an alkoholfreies Bier denke, dann denke ich immer an „Jever Fun“. Dieses „Fun“, das so überhaupt nicht zu diesem Getränk passt, hat sich in mein Hirn für immer eingebrannt. Das kam so: Vor vielen Jahren, als ich noch sehr jung und vielleicht auch etwas dumm war, habe ich mit meinem damaligen Kumpel Leo ein kleines Pop und Punkrock Festival besucht. Das Festival war praktischerweise nicht weit weg und so hat Leo angeboten zu fahren und um einen Kasten Bier – sagte er – werde er sich auch kümmern! Das klang nach einem Sorglospaket und ich lies mich gerne abholen. Halbherzig vorgeglüht, stieg ich in seinen biederen, silbergrauen Opel Vectra mit Stufenheck im Rentnerbestzustand und wurde auf mausgrauem Velour mit Wackeldackel auf der Hutablage zum Festivalgelände kutschiert. Es war ein heißer Sommertag. Dort angekommen öffnete Leo den Kofferraum und zog sich lässig ein Bier aus dem Kasten. Ich zog nach und wir prosteten zu. „Schön kühl, sehr gut, Leo, aber Bier in grünen Flaschen ist doch Mist, warum hast du kein Gampert (generationenübergreifende Regionalmarke im Coburger Land) gekauft?“. Leo: „Gampert gibt’s net alkoholfrei“. O_o Er hatte tatsächlich einen ganzen Kasten alkoholfreies Bier gekauft! „Leo wir wollen das Festival rocken und du kaufst eine Spaßbremse in grünen Flaschen?!“. Ich war fassungslos. Obwohl es eigentlich nicht überraschend war, zumindest rückblickend: Leos wilde Phase dauerte nicht Jahre oder wenigstens Wochen, nein, sie war nur einmal für wenige Sekunden anwesend, als er in Coburg über eine rote Ampel ging. Auf der frühmorgendlichen Heimfahrt war ich aber durchaus dankbar, denn Leo hatte sich tatsächlich nur durch den Kasten Jever Fun getrunken. Während ich fleißig die Getränkestände subventioniert hatte. Leo versicherte mir, er wäre jederzeit bremsbereit, wenn mir übel würde. „Lothar, gib mir drei Sekunden!“. Ich hörte nur mit halbem Ohr hin und schlummerte ein.  
Seit damals ist viel passiert: Leo ist in seiner altbackenen Attitüde aufgeblüht. Ich bin vor allem gescheiter und am Alkoholfreien Biermarkt gibt es heute sehr viele Brauereien, zum Teil auch kleinere (Gampert hat aber noch keines im Sortiment). Es gibt nicht nur bitteres Pils bzw. Lagerbier und Weizen, sondern auch andere Stile wie zum Beispiel Dunkles, Altbier, IPA und sogar Kölsch. Wie diese so schmecken, die neuen Alkoholfreien, möchte ich in der kommenden Zeit in einem Praxistest herausfinden und zeigen.

 

Der erste Kandidat für „alkoholfreie Biere im Test“, kommt aus der Oberpfalz: Es ist das Dunkle Alkoholfreie aus dem Kessel der Biobrauerei Neumarkter Lammsbräu:

 
Neumartker-Lammsbraeu-Dunkel-alkoholfrei-Bier-Test
 

Und so ist es: Der Schaum ist stabil, großporig und leicht cremfarben. Das nussbraune Dunkel duftet spürbar nach Bayrisch Blockmalz. Im Antrunk ist es etwas rezent. Der Köper ist weich, (mehr …)

Bald ist es soweit: Wir feiern 500 Jahre Bayerisches Reinheitsgebot!

geposted am: 4 März 2016 von Lothar bisher keine Kommentare

Das Bayerische Reinheitsgebot ist eine Idee, die dafür steht, dass Bier per se nur aus den drei magischen Zutaten + Hefe besteht. Also letztlich ist das Reinheitsgebot auch eine bayerische Definition für Bier. Eine erstaunlich leckere Definition mit der man eine verblüffende Biervielfalt kreieren kann – die bei Weitem noch nicht ausgeschöpft ist.
 
Reinheitsgebot
 
Gerade jetzt wo das Bayerische Reinheitsgebot 500 Jahre alt wird, muss man genau hinsehen, denn offenbar verwechseln manche Brauer und Bierfans da zwei grundlegende Dinge.
 
 

Vorsicht Denkfehler: Das Reinheitsgebot ist nicht das vorläufige Biergesetz

 

Bei der ganzen Diskussion um die 500-Jahrfeier des Bayerischen Reinheitsgebots wird von mehreren Seiten Verwirrung gestiftet. Ich möchte drei Beispiele nennen:
 
 

Das Reinheitsgebot ist das älteste, noch unverändert gültige Verbraucherschutzgesetz der Welt“

sagt Walter König vom Brauerbund.
 
Das ist Nonsens. Walter König sollte es eigentlich besser wissen: Das Reinheitsgebot ist kein Gesetz und rechtlich bindend ist es schon länger nicht mehr. Heute gilt die wenig archaisch klingende Bierverordnung, die auf die Durchführungsverordnung zum Vorläufigen Biergesetz verweist, was die Zutaten angeht. Für obergäriges Bier sind z.B. Zuckerarten, Süßstoffe und Farbstoffe erlaubt. Bei der Herstellung kommen bei manchen Brauereien, auch in Bayern, Anti-Gushing-Mittel, Betonite, Kieselgur oder stabilisierende Mittel wie PVPP zum Einsatz. Wenn alles theoretisch nach Plan läuft, wird die Chemie vor der Abfüllung allerdings wieder herausgefiltert. Leider ist es in der Vergangenheit mehrfach vorgekommen, dass Kieselgur mit Schwermetallen belastet war. Kurzum: Sicher kann man nicht sein, dass etwas migriert. Der rechtliche Rahmen, um das Gebräu „Bier“ zu nennen wurde dennoch eingehalten. Manche Brauer verwechseln das aber mit der Berechtigung, den beliebten Slogan „gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot“ aufs Etikett drucken zu dürfen. Auf der Zutatenliste von 1516 waren diese Zusätze aber bekanntermaßen sicherlich nicht erwähnt.

 

Es ist ärgerlich, dass man laut Gesetz Biere „nach dem Reinheitsgebot“ bewerben darf, die definitiv mit anderen Substanzen gebraut wurden. Das ist aber kein Problem des Reinheitsgebots, sondern der gesetzlichen Vorgabe in Deutschland. Die einige Brauer schamlos ausnutzen.
 
 

Erdinger Weißbier – getreu dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516

 
Manche Brauer wissen offenbar selbst nicht so genau was das Reinheitsgebot von 1516 besagt.
Trotz Weizen im Bier hat die Privatbrauerei Erdinger Weissbräu vor einiger Zeit „getreu dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516 “ geworben. Blöd nur, dass das 1516 Gebot Weizen schlicht ausschließt.
 
Das ist ein grober Schnitzer und klare Verbrauchertäuschung. „Die Brauerei hat inzwischen eine Unterlassungserklärung abgegeben und zugesagt, künftig nicht mehr mit der Jahreszahl „1516“ zu werben. Dafür wird Erdinger eine Aufbrauchfrist bis zum 31. Juli 2016 gewährt“.
 
 
Der Präsident des Verbandes Privater Brauereien Bayern e.V. sagt folgendes:

„Nicht selten haben Lebensmittelskandale ihre Ursache in der Verwendung unklarer Stoffe.

 

„… die vier zugelassenen Rohstoffe Wasser, Malz, Hopfen und Hefe kennt ein Konsument und die Bierherstellung ist ein transparenter Herstellungsprozess.“

 
Auch das ist irreführend und hat im aktuellen Kontext des „Glyphosat-Skandals“ einen unschönen Beigeschmack. „Bayerisches Reinheitsgebot“ das klingt nach reinen Zutaten. Reinen Zutaten, wie aus einer Zeit, in der die Welt noch in Ordnung war. Ich finde tatsächlich, das klingt nach reiner, ursprünglicher Landwirtschaft. Agrarwirtschaft mit Pestiziden, Herbiziden und Kunstdüngern, bei denen Böden systematisch ausgelaugt werden, passt nicht in dieses Bild. Industriebauern sind aber mit Sicherheit immer noch der Hauptlieferant für Biere aus Bayern.
 
Jetzt könnte man sagen, dass sich in vielen Bieren Rückstände von Pestiziden finden, ist nicht verwunderlich. Bleiben wir beim aktuellen Beispiel: Von Glyphosat werden ca. 5.400 Tonnen alleine in Deutschland auf‘s Feld gefahren. Schadstoffe in Nahrungsmitteln ist ein Problem, damit stehen die Brauer aber ganz und gar nicht alleine da: Wenn man bedenkt, dass ein Brötchen quasi nur aus Mehl besteht, ein Bier aber nur aus z.B. 11% Stammwürze, kann man sich leicht ausrechnen, wo vermutlich mehr Schadstoffe, bedingt durch die Rohstoffe, enthalten sind.
 
Das Bier ist nicht verseucht und die minimalen Mengen von Glyphosat im Bier sind nicht bedenklich. Das sagt zumindest das Bundesinstitut für Risikobewertung. Wobei man wissen muss, dass das Bundesinstitut gerade bei diesem Thema in der Kritik steht, weil es laut ZDF Recherchen Pestizide wie Glyphosat 1. nicht mit unabhängigen Experten neu beurteilt und dass den Bewertungen (…) 2. keine unabhängigen Studien, sondern überwiegend von Herstellern wie Monsanto (Glyphosat) selbst in Auftrag gegebene Studien und auch Studien von unbekannter Herkunft, ohne Angaben zu den Autoren, zugrunde liegen. Auch Lobbycontrol sieht die Rolle des BfR kritisch. Ich weiß nicht was stimmt. Wenn der Name Monsanto fällt, sollte man aber grundsätzlich skeptisch sein. Das ist kein Konzern zum Wohle der Menschheit.
 
Studien und Risikobewertungen hin oder her: Auf der anderen Seite muss man wissen, es gibt auch Biere ganz ohne Glyphosat. Kleine und große bayerische Biobrauer wie z.B. das Brauhaus Bergmann (Glattbach), das Riedenburger Brauhaus (Riedenburg) oder Lammsbräu (Neumarkt) brauen mit Hopfen und Malz, das keine Rückstände von Pestiziden, Herbiziden und Kunstdünger enthält.
 
Das heißt, es geht auch ohne Rückstände von Pestiziden.
 
Fazit: Es ist ärgerlich, dass Verbände und viele Brauer nicht von sich aus begreifen, dass, wenn man sich mit dem Reinheitsgebot identifiziert und schmückt, es auch Ehrlichkeit bedarf, sonst fliegt einem das irgendwann um die Ohren. Das Gebot gebietet, dass man sich an die drei Zutaten + Hefe hält und man dann:
 
1. keine Hilfsstoffe beim Brauen verwendet
2. auf Zusätze (z.B. Farbstoffe, Zucker) verzichtet
3. keine belasteten Rohstoffe verwendet
 
Bei den Rohstoffen bedeutet das: Chargen zu prüfen und im Zweifel nur Bioqualität zu verwenden. Sonst ist das nämlich leider kein herausragender Verbraucherschutz.
 
 

Mehr Ehrlichkeit und eine Selbstverpflichtung zum Bayerischen Reinheitsgebot!

Wir brauchen keine Reform oder Abschaffung des Reinheitsgebotes. Auch dieses vorläufige Biergesetz kann uns egal sein. Was wir brauchen sind 100% ehrliche Brauer! Wer nicht nach dem RHG von 1516 braut, darf damit auch nicht werben. Wer sich mit dem Bayerischen Reinheitsgebot schmückt, der muss also naturreines Bier aus nur drei Rohstoffen + Hefe brauen. Denn das besagt es. Tut er es nicht, hält er sich nicht an das Reinheitsgebot und täuscht den Biertrinker, wenn er dennoch damit wirbt. Basta.
 
 

Fragen Sie nach. Fragen Sie die Brauerei ihres Vertrauens, wie sie das Bier braut!

Werden dem Dunklen „Farbstoffe“ hinzufügt oder ist die Farbe durch Röstmalze selbst erzeugt? Mit welcher Technik oder Chemie wird das Bier gefiltert oder geklärt? Kommen Zuckerarten zum Einsatz? Wir das Brauwasser aufbereitet, wenn ja wie? Woher stammt das Malz? Wir es geprüft oder ist es Bio? Wenngleich es für das Bayerische Reinheitsgebot nicht von Bedeutung ist und keine direkt Aussage über die Qualität und den Geschmack gibt: Lassen Sie auch etwas Wissen raushängen und fragen sie gleich, ob beim Hopfen ganze Dolden, Pellets oder Extrakt verwendet wird. Pellets müssen nicht schlecht sein! Extrakt ist kein besonders gutes Zeichen.
 
Das Reinheitsgebot ist so eine tolle Idee, die sich obendrein auch trefflich vermarkten lässt, dennoch riskieren Brauer – seit Jahrzehnten – dass es verwässert wird und zwar durch sie selbst. Dieses missglückte Verhalten ändert an der guten Idee allerdings rein gar nichts.
 

Ich schlage vor, wir feiern die Brauer, die sich wirklich an das bayerische Reinheitsgebot halten. Allen anderen sagen wir: Braut wie ihr wollt, aber bitte täuscht uns Verbraucher nicht mit falschen Etiketten und verhaltet euch euren Kollegen gegenüber nicht wettbewerbswidrig!
 

In diesem Sinne Prost auf die kommende 500-Jahrfeier!
  

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