Bierdiarium

Ein Blog über Bier. Denn Bier birgt Erzählstoff!

geposted am: 13 Februar 2013 von Lothar 6 Kommentare

Was tut sich am Biermarkt Teil 1: Bier vor dem Aussterben?

Der Bierabsatz in Deutschland geht seit Jahren zurück. Im letzten Jahr wurden laut Statistischem Bundesamt rund 96,5 Millionen Hektoliter alkoholhaltiges Bier in Deutschland gekauft. Das sind 1,8% weniger als im Vorjahr. Zum Vergleich im Jahr 2001 waren es noch fast 108 Millionen Hektoliter Bier. Der Anteil von Biermischungen, also z.B. Radler, machten dabei in 2012 mit 4,3 Millionen Hektolitern 4,5 % des gesamten Bierabsatzes aus. Alkoholfreies Bier ist mit ca. 3,3 Millionen Hektolitern (laut Brauerbund) am Markt vertreten. Zum alkoholhaltigem Bier dazu addiert, ergibt das eine Summe von ca. 100 Millionen Hektolitern Bier, die in Deutschland gekauft, und vermutlich auch getrunken wurden. Das sind dann immer noch bald 10% weniger als vor etwa 10 Jahren. Die gerne genannten Zuwachsraten im alkoholfreien Segment können den schwindenden Gesamtabsatz offenbar nicht ausgleichen und der Anteil von Biermischungen ist auch viel geringer als ich angenommen habe.
 

 
 

Die Frage ist: Warum geht der Konsum zurück?

 

Liegt es am Bevölkerungsrückgang?

Nein, darin liegt der Grund für die Entwicklung eher nicht, wenn wir Google Public Data glauben dürfen:

 

 

Übringes: Auch die Alterspyramide kann kein Grund sein. Denn Bier ist ein Getränk der „Erwachsenen“ und wurde seit jeher bis ins hohe alter konsumiert.

 

Ist das Bier schlechter geworden?

Heute ist die Vielfalt von Bieren, die am Markt – für jeden quasi überall zugänglich sind – so groß wie nie. Daran kann es also nicht liegen.

 

Haben wir keine Zeit mehr für Bier?

Wir leben in einer hocheffizienten Gesellschaft in der sich vieles, bei machen alles, um den Job dreht. Wir stehen im ständigen Wettbewerb und müssen daher dauerhaft leistungsfähig sein. Abschalten ist für viele keine Option. Das heißt, wer erfolgreich im Beruf sein will, für den scheidet ein Bier zum Mittagessen natürlich sowieso aus und ein Feierabendbier konkurriert mit den Abendterminen: Montags „Bootcamp“ Dienstag „Kino“, Mittwoch „Power Joga“, Donnerstag „e-learning Chinesisch verhandlungssicher“ und Freitag „Afterworkparty“ bei der Aperol-Spritz, ein Hugo oder ein Longdrink getrunken wird. Für viele Menschen sind die veränderten Lebensbedingungen sicher ein Grund für den sinkenden Bierkonsum.
 
Die Frage ist, was passiert, wenn Bier weiterhin weniger bzw. in noch kleineren Mengen getrunken wird? Wenn es so weitergeht, naja, dann wird in Deutschland in ca. 400 Jahren gar kein Bier mehr getrunken. Das heißt dann wäre das bierdiarium.de sowas wie ein Geschichtsbuch für Bier. Und Menschen, die sich dort zufällig dort hin verirrt haben, würden dieses Getränk vielleicht gar nicht mehr kennen und sich wundern über was der Autor, der den Blog in Familientradition führt, so schreibt.
 

Was dagegen tun?

Nun, dieses Horror-Szenario fußt natürlich auf einer groben Hochrechnung, die ich selbst für höchst unseriös halte muss. Denn die deutsche Menschheit wird doch hoffentlich nicht so dämlich sein und dieses herrliche Getränk vergessen. Nein, das wird sie hoffentlich nicht. Um das Bier aber nicht zu vergessen oder besser eine Rückbesinnung einzuläuten, muss sich allerdings einiges ändern.
 
Ein erster Schritt in die richtige Richtung wäre sicher eine deutliche Arbeitszeitverkürzung. Ich möchte da gleich den gerade aktuellen offenen Brief unterstützen. Denn es liegt auf der Hand, wenn die Menschen kollektiv wieder mehr Zeit haben, dann haben sie auch wieder die Muse, die nötig ist, um ein Bier zu genießen. Arbeit und Freizeit in ausreichenden Maßen sind aus meiner Sicht ein Grundrecht. Denn ich als Bierblogger bin mir sicher: Mensch muss Zeit haben, um nach belieben, z.B. täglich gemeinsam mit Freunden ein kühles Bier zu trinken. Und wer will, hat dann trotzdem noch genügend Zeit für das e-Learning oder ein Workout.
 
Übrigens, wenn man den heutigen Bierverbrauch mit den Jahren vor 1960 vergleicht, dann sieht die Welt gleich ganz anders aus. Damals war der pro-Kopf Verbrauch so niedrig wie er, wenn wir so weitermachen!, erst um 2050 herum sein wird. Wir haben also durchaus Zeit um eine Lösung für das Problem zu entwickeln 😉
 
 

6 Antworten

  1. Alexander Peter sagt:

    Ist doch an sich nicht schlimm, dass der Konsum insgesamt zurückgeht. Die eigentlich interessante Frage ist doch, wen das trifft. Wenn die Brauereiriesen weniger absetzen, stört das sicherlich keinen – schade finde ich, wenn es sich auf die Qualität und Vielfalt des Angebots auswirkt…

  2. […] fast 6000 Menschen beschäftigt. Alleine aus Dortmund kamen rund 7,5 Millionen Hektoliter Bier. Wie der aufmerksame Leser weiß: Heute trinkt Deutschland, in der Jahressumme gerade mal 96,5 Millio…. “In den 1950er und 1960er Jahren avanciert Dortmund […] zur Bierhauptstadt Europas. […]

  3. Dennis sagt:

    Ist denn in der Zahl des stat. Bundesamtes auch das von „Hobbybrauern“, selbst gebraute Bier enthalten? Ich braue selbst eine kleine Menge Bier und zusammen mit 2 Freunden stellen wir insgesamt auch mindestens 1 Hektoliter pro Jahr her. Da die Zahl der Hobbybrauer stetig zunimmt, muss der Absatz der traditionellen Brauereien ja auch schleichend weniger werde.

  4. […] der Tag des Bieres. Denn ein nicht unerheblicher Anteil des Pro-Kopf-Jahresverbrauches an Bier – der, wie wir wissen, in Deutschland erheblich schrumpft – wird nicht nur an Christi Himmelfahrt erbracht, sondern auch am 1. Mai.   Der 1. Mai ist […]

  5. Edelbier sagt:

    […] Rückgang des Bierkonsums ist eine Entwicklung, der sich die Brauer seit Jahren motiviert entgegenstellen. Sie erfinden neue […]

Sie haben einen Bier-Tipp?

Aktuell nehme ich leider keine Tipps entgegen.

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