Bierdiarium

Ein Blog über Bier. Denn Bier birgt Erzählstoff!

geposted am: 8 August 2014 von Lothar 3 Kommentare

Craft Beer – Klasse statt Masse

Gerade war wieder das internationale Bierfestival in Berlin. Das Festival in der Hauptstadt ist kein Szenetreff, sondern für alle offen. Doch auch hier war Craft Beer in vieler Munde. Biere, die diesem Begriff zugeordnet werden sind offenbar dabei ihre Nische zu verlassen. Und das ist gut so, denn mit Craft Beer kommen einige gute Eigenschaften wieder auf den Biermarkt zurück, die in der Vergangenheit teilweise verloren gegangen sind. Und es kommen neue hinzu, die Bier so noch gar nicht kannte.

Und das sage ich so deutlich, obwohl ich den Begriff an sich nicht so wirklich mag. Aber solange er tut was er soll und den Biermarkt bei uns bereichert, sehe ich über das alberne amerikanische Wortgebilde schon mal hinweg.
 

Aus meiner Sicht steht Craft Beer für:

 

1. Geschmackliche Vielfalt:

Kein Craft Beer schmeckt wie das andere! Sie haben besondere Aromen und sind teilweise hochkomplex im Geschmack. Ein Craft Beer ist kein normales „Helles“ oder ein „Pils“ (wobei daran nichts verwerfliches sein soll, ich trinke gerne „normale“ Biere, sehr gerne.). Wenngleich der Bierstil IPAs (India Pale Ale) oft als der Vater der Craft Beere präsentiert wird, gibt es hier keine Einschränkungen. Es herrscht die Bierstilfreiheit und es ist sogar typisch für solche Brauer, dass sie gänzlich neue Stile präsentieren. Man denke nur an das Edelbier Porter-Weiße, das ich hier verkostet habe. Ein sehr interessantes und intensives Bier! Übrigens, nicht verwirren lassen: Edelbiere gehören zu den Craft Beeren und bilden deren Luxusvariante.
 

2. Experimentierfreude und Kreativität:

Craft Beere stehen für sehr hohe Experimentierfreunde und Kreativität bei den Brauern. Es ist unglaublich was z. B. deutsche Brauer innerhalb des Reinheitsgebotes zaubern. Ich erinnere mich sehr gerne z.B. an den Doldensud, den ich hier probiert habe.
 

3. Handwerkliche Braukunst:

Craft Beere stehen – vor allem in Deutschland – für handwerkliche Braukunst. Viele kleine, teilweise Einmannbetriebe bereichern den Markt und arbeiten sehr nah am ursprünglichen Handwerk. So stellt z. B. der „Michel’s“ alleine seine Stout her, das ich hier probiert habe. Es gibt viel Diversität bei den Herstellern. Wenngleich hier auch die großen mitmischen, gibt es im Moment mit Sicherheit noch keine Kartelle bei uns.
 

4. Hochwertige und regionale Zutaten:

Nicht immer, aber vermehrt findet man in Craft Beeren hochwertige Zutaten (z. B. Bioqualität) und Zutaten regionaler Herkunft. Vor einiger Zeit habe ich mit den Jungs von der Privatbrauerei am Rollberg in Berlin Neukölln gesprochen und sie haben mir erzähl, dass sie nur Bio kaufen, „weil man den Rest vergessen kann“.
 

5. Erweiterung des Einsatzspektrums:

Craft Beere erweitern das Einsatzspektrum von Bier deutlich. Aufgrund ihrer teilweise sehr komplexen Aromen eignen sich besonders die Luxusvarianten hervorragend für Foodpairing. In chicen Gläsern präsentiert entwickelt das Bier ein ganz neues Image.
 
Kurz und zusammengefasst: Craft Beer steht für einen Trend weg vom Massenbier!
 
Und es ist toll, wenn man als Besucher auf dem Festival mit einem Brauer, der Craft Beer herstellt spricht: Da merkt man, dass hier Begeisterung für die Sache besteht. Man lässt sich als Biertrinker davon regelrecht anstecken und entwickelt eine Entdeckungsfreude bei der Reise durch die Craft Beer-Welt!
Hier übrigens ein Tattoo eines eingefleischten Craft Beer-Trinkers. Sehr individuell. Für manche sicher gewöhnungsbedürftig 😉
 
Craft-Bier-Tattoo

3 Antworten

  1. Frank B. sagt:

    Also bald mein ich, mir bleibt das Huppendorfer im Hals stecken!

    Als Bierliebhaber aus Franken ärgert mich dieses Geseier ums „Craft-Beer“ maßlos. Speziell in Oberfranken müssen wir seit Jahren mit ansehen, wie kleine Brauereien schließen und größere von internationalen Konzernen Übernommen werden – Sie als Kulmbacher müssten dafür eigentlich hinreichend sinsibilisiert sein.

    Und als Experte ist es sicherlich kein Geheimnis für Sie, was viele von diesen Brauereien ausmacht(e). Genau: Geschmackliche Vielfalt, handwerkliches Brauen, regionale Zutaten, hin und wieder sogar Experimentierfreude. Sicher, „Edel“ und „Luxus“ findet man da eher nicht – und es sind bestimmt auch nicht mal alle gut. Aber diese Vielfalt und Tradition, das ist schon ein Wert an sich.

    So. Und kaum findet sich ein Amerikaner, der nicht sofort für den Weltmarkt produziert und außerdem ein paar Bananenschalen ins Bier schmeißt, heißt das „Craft Bier“ und ist ein wahnsinnig aufregender Trend.

    Wäre es nicht so schade ums schon getrunkene Bier, ich könnte k…

    Herr Lents: „Craft Beer“ ist das, was bei uns seit vielen Jahrhunderten gebraut und verkauft wird. Wenn uns jetzt jemand über die Hintertür versucht, das als tollen Trend aus USA zu verkaufen, dann ist das lächerlich grotesk und in der an Eseleien nicht eben armen Welt des Marketings schon eine herausragende Idiotie.

    Um geschmackliche Vielfalt und Braukunst auf hohem Niveau zu erleben, brauchen wir kein Craft-Bier, sondern müssen uns nur ein bisschen umschauen. Fahren Sie in die Dörfer um Bamberg oder in die Fränkische Schweiz. Probieren Sie ein Rauchbier. Einen Maibock (nicht jetzt). Eines der unzähligen Kellerbiere. Ein Ungespundetes.

    Sie werden sehen: Auf irgendwas mit dem Label „Craft-Bier“ kann die Menschheit getrost verzichten. Zumindest die fränkische.

  2. Heinz sagt:

    Also ich finde Craft Bier toll und wenn ich Bier bestellen, dann oftmals auch ausländische Biere. Danke für den tollen BLogbeitrag. Dieser war sehr gut zu lesen.

    Weiter so!

  3. […] der höchsten Brauereidichte der Welt. Nirgends gibt es so viele kleine Brauereien wie hier.   In meinem letzten Artikel zum Thema Craft Beer habe ich den Begriff Craft Beer auf seine positiven Merkmale untersucht. Von diesen dort erwähnten […]

Sie haben einen Bier-Tipp?

Aktuell nehme ich leider keine Tipps entgegen.

Links und Partnerseiten

Neueste Kommentare