Bierdiarium

Ein Blog über Bier. Denn Bier birgt Erzählstoff!

geposted am: 19 Juli 2016 von Lothar 2 Kommentare

Die Bierdose: ökologisch und gut für’s Bier?

Kürzlich habe ich eine Bierdose der Stone Brewing Brauerei Berlin in der Hand gehalten und Folgendes auf der Dose gelesen:

 
„DOSEN SIND BESSER. KEINE FRAGE. Dosen sind endlos recyclebar, umweltverträglicher und besser fürs Bier“.
 
Dosenbier-Nachteile-Sauerstoffeintrag
 
Stone Brewing ist eine amerikanische Großbrauerei, die kürzlich in Berlin eine Niederlassung gegründet hat. Diese Brauerei behauptet, Bier aus Dosen sei generell besser. Besser als was? Besser als Fassbier? Besser als Bier aus Plastikflaschen, besser als Bier aus Glasflaschen?
 
Im Magazin „Craft“ sagte der Chef des Unternehmens im Frühjahr dieses Jahres folgendes:
 

„Ich entscheide nur nach Fakten, nicht nach Meinungen, und Tatsache ist, dass es kein besseres Behältnis als die Dose gibt, um Bier frisch zu halten. Außerdem sind die Transportkosten unschlagbar, da Dosen viel leichter als Glas sind und weniger Platz benötigen. Und was die vermeintliche Umweltschädlichkeit anbelangt: Metall lässt sich unendlich recyceln. Aus Qualitätsgesichtspunkten gibt es also keine bessere Möglichkeit als die Dose.“

 
Okay, er meint also besser als Bier in Glasflaschen, bzw. Mehrwegglasflaschen.
 
 

Ist die Dose wirklich besser für das Produkt Bier, also aus reinen Qualitätsgründen?

 
Die Bierdose hat auf der Habenseite einen Vorteil, den Glas so nicht bietet: Eine Bierdose ist nämlich immer 100% blickdicht. Oder sagen wir noch blickdichter als eine dunkle Flasche oder eine die einen Lichtschutzfaktor hat. Aber diesen Vorteil, besser gegen Lichtgeschmack geschützt zu sein, könnte eine Dose nur ausspielen, wenn man sie am Äquator in der prallen Sonne lagern würde. Bier wird stattdessen bekanntlich eher durchgehend kühl und dunkel aufbewahrt. Das war es aber dann schon mit den reinen Qualitätsvorteilen im Bezug auf den Inhalt. Dosenbier hat denke ich eher Nachteile:
 
1. Dosenbier wird klassischerweise vor oder nach dem Abfüllen behandelt. In der Regel wird es nach dem Abfüllen bei ca. 65–75 °C pasteurisiert. Das heißt, die Dose wird dabei erwärmt. Nachteil: Beim Pasteurisieren ist von Qualitätseinbußen auszugehen. Das kann sich auch auf den Geschmack auswirken.
 
2. Dosen, egal ob aus Weißblech oder Aluminium, müssen vor Korrosion geschützt werden. Denn sonst lösen sich Metalle und werden auf den Füllinhalt übertragen. Verfärbungen und geschmackliche Beeinträchtigungen wären die Folge. Daher wird die Innenseite der Dose versiegelt. In der Regel kommt hier ein Kunststoff zum Einsatz der Weichmacher wie BPA enthält. Genau solche Stoffe können in das Bier übertragen werden. Es gibt auch BPA-freie Beschichtungssysteme, allerdings sind diese laut Verbraucherzentrale in der Regel noch nicht im Einsatz. Nachteil im Vergleich zu Flaschenbier: Bier in einer Verpackung die Weichmacher enthält ist fragwürdig.
 
3. Der Verschluss von Getränkedosen ist Umwelteinflüssen ausgesetzt. Anders, als bei einem Schraub-, Bügel-, oder Kornkorkenverschluss können sich hier Schmutz oder Keime ansammeln. Diese würden beim Einschenken mit ins Bier wandern. Nachteil im Vergleich zu Flaschenbier: Die Sauberkeit des Verschlusses steht in Abhängigkeit von den Transport- und Lagerbedingungen.
 
4. Die Qualität, besonders aber die Haltbarkeit von Bier wird auch von enthaltenem Restsauerstoff bestimmt. Dieser Reststauerstoff kommt nach dem Abfüllen sowohl in der Flüssigkeit als auch im Kopfraum des Behältnisses vor. Bei der Abfüllung wird darauf geachtet, dass der Sauerstoffeintrag möglichst gering ist. Dosen haben bei der Abfüllung genau an dieser Stelle einen Nachteil: Während des Befüllvorgangs, also bevor der Deckel der Dose eingepresst wird, ist die Oberfläche des Bieres deutlich größer als bei einer Flasche. Bei einer Dose sind das mehr als 5 cm im Durchmesser, bei eine Flasche weniger als 2 cm. Bei der industriellen Abfüllung laufen die Bierdosen flott auf dem Fließband und es kommt zu Turbulenzen, dadurch kann es zu unkontrolliertem Sauerstoffeintrag kommen. Nachteil im Vergleich zu Flaschenbier: Dosenbier hat bauartbedingt ein höheres Risiko von Oxidationsgeschmack betroffen zu sein, als korrekt gelagertes Flaschenbier.
 
 

Ist die Bierdose wirklich so ökologisch unbedenklich?

 
Hersteller aus der Verpackungsindustrie werben gerne mit der angeblich sehr guten Ökobilanz der Getränkedose. Thematisiert wird gerne die „vollständige Wiederverwertbarkeit“ und der Vorteil, dass sie im Vergleich zum Mehrwegsystem im Einwegsystem zum Einsatz kommt und daher nicht mehr zum Abfüller zurücktransportiert werden muss und dadurch CO2 gespart wird. Fester Pfeiler dieser Argumente bildet eine Studie des Institutes IFEU – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH. Die Studie wurde von der BCME, Lobbyorganisation der Getränkedosenhersteller, in Auftrag gegeben. Die Ökobilanz wurde in dieser Studie vor allem durch die Annahme geschönt, dass Mehrwegglasflaschen maximal 25 Umläufe haben. In Wirklichkeit werden diese aber deutlich öfter befüllt. „So wird die mit Abstand marktrelevanteste Poolflasche im Bierbereich […] im Schnitt 42 Mal wiederbefüllt. Die ebenfalls besonders häufig eingesetzte 0,5 l Longneck-Flasche wird durchschnittlich 33 Mal wiederverwendet.“ Und auch der Transportweg wurde nicht unter realen Bedingungen berechnet. Sie ahnen es: Pfandflaschen die von den Alpen an die Nordsee und wieder zurücktranportiert werden müssen, sind weniger ökologisch als jene die von der Brauerei aus dem Nachbarort stammen.
 
Mit dem Rückenwind dieser Studie hat sich zum Beispiel der Dosenhersteller Ball Packaging weit aus dem Fenster gelehnt und die Dose als „grün“ beworben. Die Deutsche Umwelthilfe hat daraufhin geklagt und recht bekommen. Die Getränkedose bleibt auch nach dem Gerichtsurteil von 2013, was sie schon immer war: eine unökologische Getränkeverpackung.
 

„Dass Dosenhersteller versuchen, ihre Produkte grün zu färben, ist dreist. Aber es passt in die Zeit, denn die Umweltverträglichkeit eines Produkts ist zu einem Maßstab bei der Kaufentscheidung geworden. Das ruft Trickser und Täuscher auf den Plan, wie ich in den vergangenen Jahren vermehrt feststellen musste“

 
sagt Dr. Remo Klinger, der die DUH in der juristischen Auseinandersetzung vertrat.
 
Das, was der Chef von Stone Brewing verkündet hat und auch auf seine Bierdosen druck, erinnert mich doch ganz stark an das, was Ball Packaging auf seine Dosen druckte. Also, im Grunde die gleiche Verbrauchertäuschung, wie diejenige, die gerichtlich untersagt wurde.
 
 

Fazit: Mehrweg ist der bessere Weg.

 
Ich denke Jeder sollte versuchen, so wenig Verpackungsmüll wie irgend möglich zu produzieren. In vielen Bereichen haben wir als Konsumenten kaum eine Wahl, außer auf die entsprechenden Produkte zu verzichten. Beim Bier haben wir die Wahl und sollten die Mehrwegkultur weiter fördern und zugleich hoffen, dass andere Bereiche auch auf Müllvermeidung setzen. Dem Greenwashingtralala von Bierdosen-Brauern bzw, Dosen-Herstellern sollten wir dabei besser kein Gehör schenken und das Bier stehen lassen. Diese Auswirkungen werden sie merken und sich umstellen und wieder auf Mehrweg setzten.
 

2 Antworten

  1. Severin sagt:

    Die ganzen Mikrobrauereien mit ihren herrlichen Bieren sollten endlich auch 0,75l Flaschen abfüllen. 0,33l für ein leckeres Bier ist einfach zu klein. Das wären dann gleich zwei Flaschen weniger.

    • Jürgen sagt:

      Gute Idee, bin da der selben Meinung. Jedoch ist es Fakt, dass die breite Masse die 0,33l Flaschen viel lieber kauft, wie die 0,5l Flaschen. Bei 0,75l Flaschen wäre da gar nicht zu denken, da viel weniger gekauft würde.

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