Bierdiarium

Ein Blog über Bier. Denn Bier birgt Erzählstoff!

geposted am: 22 Juni 2017 von Lothar bisher keine Kommentare

Die Bierkrone Frankens – Scheidmantel Pils, Coburg

Coburgern ist sie auch heute noch ein Begriff, die Brauerei Scheidmantel. Eine Brauerei im Stadtteil Cortendorf. Noch heute erinnert ein historistischer Ziegelbautenkomplex an die Braustätte. Um die 00er Jahre herum wurde diese aufgegeben und eine Kooperation mit der Brauerei aus der heimlichen Hauptstadt des Bieres eingegangen. Das Bier wird seit dem über die Coburger Biervertrieb GmbH vertrieben. Ein unscheinbares Unternehmen mit Sitz in Coburg, genauer ein Tochterunternehmen der Kulmbacher Brauerei AG. Wobei der Jahresabschluss der Kulmbacher Brauerei AG wiederum im Konzernabschluss der Brau Holding International GmbH & Co. KGaA einbezogen ist und diese ist wiederum ein Joint Venture der Schörghuber Unternehmensgruppe mit der niederländischen Heineken Aktiengesellschaft.

 

Wo genau heute das Scheidmantel Pils gebraut wird ist mir unklar, vermutlich in einem Kulmbacher Kessel. Theoretisch aber auch in einem der vielen anderen Kessel des Firmengeflechtes – mit freien Kapazitäten. Ob das Pils genau so schmeckt wie aus der Coburger Braustätte ist eher unwahrscheinlich. Aber vermutlich ähnlich, nicht schlecht, nicht ausgefallen, solide und etwas würzig.
 

Das Bier und sein Geheimnis

 
Klingt wie der Niedergang einer Brauereigeschichte. So wie es vielen Familienbetrieben vor der Jahrtausendwende ergangen ist. Ganz normal? Nein! Denn mit dem Bier stimmt etwas nicht. Geschmacklich? Nein, da ist es wie gesagt okay. Ist es die Biervertriebs GmbH in diesem verflochtenen Unternehmensgeflecht? Nein. Okay, auf den ersten Blick ist es schon seltsam, dass die Gewinne der Coburger Biervertrieb GmbH – in den mir einsehbaren Bilanzen – äußerst mau ausfallen. Aber naja, vielleicht kauft das Bier auch einfach keiner. Was ist es dann?
 

Die Scheidmantel-Verschwörung

 

Es ist das Etikett! Mit diesem stimmt etwas nicht! Wer es sich genau ansieht und die fränkische Krone vor Augen hat, wird mit Sicherheit irritiert sein: Die stilisierte Veste Coburg wirft gleich mehrere Fragen auf:
 
1. Die Burg hat einen Zacken (einen Turm) zu viel in der Krone
2. Das ganze Ensemble ist gespiegelt
 

 
Mit anderen Worten: So sieht das Wahrzeichen der Stadt gar nicht aus.
 
Die erste Frage, die ich mir gestellt habe war: Vielleicht ist das ein historischer Witz?
 
Also vielleicht fand es der Gründer Herr Scheidmantel lustig und wollte seine Kunden foppen? Ein Turm ist schließlich auf der Illustration gedoppelt – also vielleicht ist das sozusagen eine Anspielung auf „doppelt sehen“ in den Stadien jenseits der wohligen Enthemmung?
 
Für die Spiegelung der gesamten Burganlage finde ich in diesem Zusammenhang allerdings keine stimmige Erklärung. Nein eine kurze Recherche erübrigte meine Thesen sowieso: die stilisierte Veste war früher korrekt:
 

 

 
Es muss also einen anderen Grund haben, warum die Veste so komisch aussieht. Meine Recherchen sagen mir, dass die „falsche Veste“ erst seit der Umstellung auf „Kulmbacher“ die Flaschen ziert. Wir kommen der Sache deutlich näher: Ich bin mir sicher, hier muss der Hase im Pfeffer liegen!
 
Sind vielleicht Markenrechte schuld? Möglicherweise sind diese beim Erwerb der Brauerei aus irgendwelchen Gründen nicht übertragen worden?
 
Wäre dem so, dann hätte das Etikett nicht wie gehabt weitergeführt werden dürfen. Ein neues Design oder eine neue Illustration hätten aber gereicht. Es gibt tausende Möglichkeiten die Veste „richtig“ abzubilden. Diese unbeholfene Fantasiedarstellung der Veste ist überhaupt nicht nötig. Eine Darstellung der Veste ist per se frei von Urheber oder Markenrecht, solange sie sich nicht deutlich an eine bestehende Darstellung anlehnt oder gar eine schlichte Kopie ist.
 
Fazit: Es gibt keinen mir ersichtlichen urheber- oder markenrechtlichen Grund, die Veste auf dem Etikett so seltsam darzustellen.
 

Was sind die wahren Gründe für ein derart skurriles Etikett?

 
Man muss es sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Da schluckt ein heimlicher Biergigant eine kleine gemütliche Coburger Brauerei und etikettiert fortan das Bier mit einem neuen Etikett, das die Veste Coburg verunstaltet. Jeder Coburger oder anders gesagt, jeder Biertrinker aus Coburg erkennt selbst nach fünf Halben, dass da was nicht stimmt. Das ist doch absurd!
 
Das alles klingt fast wie eine schlecht gemachte Verschwörungstheorie: Durch konspiratives Wirken sollen hier die Coburger „Residenzler“ veräppelt werden? Nur warum und wer hat sich verschworen? Ich steige immer noch nicht durch.
 

Wer oder was steckt wirklich dahinter?

 
Soll ich ehrlich sein? Ich habe keine Ahnung.
 
Ich kann nur an Kulmbacher appellieren, das Etikett neu gestalten zu lassen, mit einer würdigen Darstellung des Coburger Wahrzeichens. Gerne übernehme ich diesen Job, Anfragen an mich – jederzeit!

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